[NEWS] Wort – Manipulation und illegale Sportwetten: „In Luxemburg hat noch niemand richtig hingeschaut“

7 May 2026News ALIS
[NEWS] Wort – Manipulation und illegale Sportwetten: „In Luxemburg hat noch niemand richtig hingeschaut“

Die neue Integritätsbehörde ALIS will sich auch um Einflussnahme bei nationalen Sportwettkämpfen kümmern. Der Markt ist riesig – und das Problem real.

Das Amphitheater in der Coque war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Die wichtigsten Menschen aus der Luxemburger Sportwelt wollten dabei sein, wenn im Kampf um mehr Integrität die nächste Stufe erreicht wird. Die Gründung der ALIS (Agence Luxembourgeoise pour l‘Intégrité dans le Sport) ist dabei ein wichtiger Schritt.

Direktor Loïc Hoscheit sprach am Mittwochabend fast 40 Minuten über die neue Behörde, die vor einer gigantischen Aufgabe steht. Der Nachfolger der ALAD (Agence Luxembourgeoise Antidopage) muss drei wichtige Teilbereiche miteinander verbinden. So soll die Antidoping-Arbeit nicht nur weitergeführt, sondern ausgebaut werden. Zuständig ist dafür vor allem Guillaume Zekri. Insgesamt, so Hoscheit, gehe es darum, „die Grundrechte der Sportlerinnen und Sportler in unserem Land zu verteidigen“.

Ich habe gesehen, dass unzählige Wettbewerbe manipuliert werden.

Loïc Hoscheit

Der Bereich Safeguarding, also der Schutz von Menschen vor körperlichem, mentalem oder sexuellem Missbrauch, liegt im Verantwortungsbereich von Lauren Crisp, die von Lenny Karp unterstützt wird. Schon jetzt kommen die beiden mit der Arbeit kaum hinterher. „Als ich im Oktober 2023 bei der ALAD angefangen habe, waren wir zu dritt“, erinnert sich Hoscheit. „Jetzt sind wir bei der ALIS acht Leute, in zwei Jahren sollen es perspektivisch 15 sein.“ Vor allem beim Safeguarding soll personell nachgelegt werden.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Direktor allerdings bei seinen Ausführungen über Manipulation von Wettkämpfen – ein Bereich, in dem Luxemburg weitgehend im Dunkeln tappt. „Kleine Länder haben proportional gesehen einfach weniger Fälle“, erklärt Hoscheit. „Aber das heißt nicht, dass es statistisch gesehen weniger wahrscheinlich ist, dass auch hierzulande Wettbewerbe manipuliert werden.“

Dabei geht es mittlerweile aber weniger um den klassischen Briefumschlag mit Geld, der unter dem Tisch den Besitzer wechselt. Das Hauptproblem ist der rasante Anstieg illegaler Sportwetten. Dabei gibt es längst nicht mehr nur Wetten auf Sieg oder Niederlage. Man kann Geld auf alles Mögliche setzen: den ersten Eckball beim Fußball, den ersten Doppelfehler im Tennis – oder mit welcher Tordifferenz Spiele gewonnen oder verloren werden. Es sind Faktoren, die ein einziger Akteur auf dem Feld beeinflussen kann.

Mehr als eine Billion US-Dollar

Gewettet wird nicht nur vor dem Start der Matches, sondern auch währenddessen, live und im Sekundentakt. Wenn Kryptowährungen oder Zwischenhändler im Spiel sind, wird alles ganz schwer nachvollziehbar. „Es werden sogar große Summen auf E-Sport gesetzt“, verrät Hoscheit. „Da gab es bereits zahlreiche Skandale.“ Die Wett-Apps sind bunt, sehen aus wie Smartphone-Spiele. Es gibt Bonuspunkte, wenn man viel wettet.

In Luxemburg darf nur die Loterie Nationale Sportwetten anbieten. Dass dieses Gesetz in der Praxis keine Rolle spielt, beweist Hoscheit in seiner Präsentation. Er wirft einige Seiten von Wettanbietern auf den Bildschirm, die nicht nur Spiele der BGL Ligue in ihrem Portfolio haben, sondern auch Nachwuchsfußball, Volleyball, Leichtathletik, Badminton und Schwimmen im Großherzogtum. „Diese Plattformen, die Lizenzen aus anderen Ländern haben, dürfen in Luxemburg eigentlich nicht zugänglich sein“, sagt Hoscheit. Sie agieren in einer Grauzone.

Komplett schwarz wird es hingegen bei den illegalen Anbietern. Laut einer Studie von 2023 werden jährlich mehr als eine Billion US-Dollar in Sportwetten gesetzt. „Es gibt Seiten, welche fast niemand kennt, auf einer Sprache, die ich gar nicht lesen kann“, beschreibt Hoscheit seine Erfahrungen bei der Recherche. „Die haben entweder gar keine Lizenz oder eine erfundene auf irgendeinem Inselstaat.“ Doch genau über solche Seiten laufen die meisten Manipulationen ab. „Um die Loterie Nationale müssen wir uns keine Gedanken machen.“

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